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Illustration: Ein Vertragsdokument mit Siegel zwischen einem Prozessorchip und einem kleinen Bürogebäude; eine Linie mit Schloss verbindet alle drei.
KI

Auftragsverarbeitungsvertrag mit KI-Anbietern

Von · · 5 Min. Lesezeit Zuletzt aktualisiert am

Brauchst du für ChatGPT, Claude oder DeepL im Betrieb einen Auftragsverarbeitungsvertrag? Sobald personenbezogene Daten hineinfließen, ja, und das passiert spätestens mit dem Anmeldekonto. Die eigentliche Frage ist eine andere: Welche Rolle hat der Anbieter überhaupt, und die hängt bei KI-Diensten an etwas, das in keinem Vertragsdokument steht.

Der Beitrag ist Orientierung, keine Rechtsberatung. Wer Verantwortlicher ist, wer Auftragsverarbeiter und wann ein AVV sachlich falsch wäre, steht in Was ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag? und gilt für einen Chatbot wie für einen Webhoster.

Derselbe Anbieter, zwei Rollen#

Solange der Anbieter deinen Prompt verarbeitet, um dir eine Antwort zu liefern, ist er dein verlängerter Arm. Die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz kommt dafür zu einem „Auftragsverarbeitungsverhältnis gemäß Art. 28 f. DS-GVO“. Sobald er denselben Prompt verwendet, um sein Modell zu verbessern, verfolgt er einen eigenen Zweck. Dafür ist er selbst Verantwortlicher, und dein AVV deckt es nicht ab. Die DSK macht daraus eine Prüfaufgabe: „Sollte ein Ausschluss der Nutzung zu Trainingszwecken nicht möglich sein und sind personenbezogene Daten betroffen, ist für diesen Zweck eine Rechtsgrundlage erforderlich.“

Welche der beiden Rollen gilt, entscheidet bei fast allen Anbietern der Tarif und ein Schalter im Konto. Die Tarifwahl ist damit eine datenschutzrechtliche Entscheidung, keine kaufmännische.

Drei Pflichten aus Art. 28 Abs. 3, die bei KI-Diensten anders laufen#

Die Pflichtinhalte sind eine feste Liste von acht Buchstaben im Verordnungstext. Drei davon verhalten sich hier anders als beim Hoster.

Weisungsbindung (lit. a) bei einem Dienst, den du nicht verhandeln kannst. Die Anbieter erklären die Bedienoberfläche zum Bestandteil deiner Weisung: Bei OpenAI gelten die Vereinbarung und die Einstellungen in den Konfigurationswerkzeugen zusammen als dokumentierte Weisung, einschließlich Aufbewahrung und Löschung (OpenAI zur Datenhaltung in der API). Deine Weisung ist der Schalter im Konto. Wer keinen setzt, hat keine erteilt.

Unterauftragnehmer (lit. d und Abs. 2). Die Kette ist länger als bei klassischer Software, weil die Modelle auf fremder Infrastruktur laufen, und sie bewegt sich. DeepL führt neben eigenen Rechenzentren Amazon Web Services als Unterauftragnehmer (DeepL Datenschutzerklärung); Bestandskunden bekommen bei solchen Änderungen die Wahl zwischen neuen Bedingungen und Widerspruch.

Löschung am Vertragsende (lit. g). Es gibt mehrere Datentöpfe mit eigenen Fristen: Konversationen, hochgeladene Dateien, Feinabstimmungsdaten und die Protokolle der Missbrauchsprüfung. Letztere laufen bei OpenAI und Mistral standardmäßig 30 Tage; bei Azure OpenAI lässt sich die Speicherung auf Antrag abschalten (Microsoft Learn). „Alles löschen“ ist eine Liste, kein Schalter.

Und zu lit. f, der Unterstützung bei Art. 32 bis 36: Prüf, über welchen Kanal und in welcher Frist der Anbieter dich bei einer Panne benachrichtigt. Davon hängt ab, ob du eine Datenpanne melden kannst, bevor die 72 Stunden abgelaufen sind.

Sechs Anbieter im Vergleich#

Stand der Anbieterangaben: 11. September 2026. Die Links wurden am 03.10.2026 geprüft; die Hilfeseiten von OpenAI und DeepL beantworten automatisierte Abrufe mit 403 und sind deshalb nicht verlinkt. Prüf jede Zeile vor einer Entscheidung an der Anbieterdokumentation nach.

AnbieterAVV verfügbar und woTraining mit Eingaben (Standard)Serverstandort / EU-Option
OpenAIDPA für ChatGPT Business, Enterprise und API; Zustimmung per Formular auf der DPA-SeiteGeschäftstarife und API: nein. ChatGPT für Einzelpersonen: ja, Abschaltung unter Einstellungen → Data ControlsData Residency für Europa (Speicherung und Verarbeitung)
AnthropicDPA ist Bestandteil der Commercial Terms, keine separate UnterschriftKommerzielle Produkte: nein („may not train models on Customer Content“). Verbraucher-Tarife: eigene EinstellungKeine eigene EU-Region, Transfers über Standardvertragsklauseln; über Google Vertex AI in der EU-Multiregion nutzbar
Google (Gemini API / Vertex AI)Cloud Data Processing Addendum, per Verweis Bestandteil des Cloud-VertragsPaid Services: nein. Unpaid Services: ja, einschließlich menschlicher SichtungEU-Multiregion und Länderregionen; globale Endpunkte ohne Residenz-Garantie
Microsoft Azure OpenAI (Foundry)Microsoft Products and Services Data Protection Addendum über den Azure-VertragNein, Prompts und Completions trainieren die Basismodelle nichtVerarbeitung in der gewählten Geografie, „DataZone“ innerhalb der EU; Missbrauchsprüfung auf Antrag abschaltbar
MistralDPA per Verweis für GeschäftskundenUneinheitlich nach Produkt und Tarif; Chat-Oberfläche und API/Studio haben getrennte Opt-out-Schalter, Enterprise standardmäßig ausgenommenStandardmäßig EU-Hosting; US-Endpunkt nur auf ausdrückliche Wahl
DeepLVon DeepL gestellt; die B2B-Bedingungen verpflichten dazu, sobald personenbezogene Daten übermittelt werdenBezahlte Tarife: nein. DeepL Free: jaEigene Rechenzentren in Europa plus AWS; Data-Residency-Option in Team, Business und API for Business

Geprüft an: OpenAI, Datenhaltung in der API; Anthropic Privacy Center zum DPA und Commercial Terms; Gemini API Terms und Google Data Residency; Microsoft Learn zu Azure OpenAI; Mistral DPA, Speicherort und Training-Opt-out; DeepL Datenschutzerklärung.

Abschluss in vier Schritten#

Ein AVV mit einem KI-Anbieter wird nicht verhandelt. Bei Anthropic und Mistral gilt er per Verweis mit den kommerziellen Bedingungen, bei Google mit dem Cloud-Vertrag, bei OpenAI per Zustimmung auf der DPA-Seite, bei DeepL über ein gestelltes Dokument. Deine Prüfung lautet deshalb nicht „Was setze ich durch?“, sondern „Genügt das Angebot Art. 28, und wenn nicht, nehme ich einen anderen Anbieter?“

  1. Geschäftstarif buchen. Auf einem Verbraucher-Zugang gibt es weder AVV noch die passenden Voreinstellungen.
  2. Richtigen Vertragspartner eintragen. Die juristische Person, nicht die Mitarbeiterin mit der Firmenkreditkarte.
  3. Vereinbarung annehmen und ablegen, mit Datum und Fassung. Anbieter ändern diese Dokumente.
  4. Einstellungen setzen. Training aus, Verlauf begrenzt. Ein abgeschlossener AVV setzt keinen Schalter um.

Danach: den Dienst als Empfänger ins Verarbeitungsverzeichnis, die Benachrichtigungen zu Unterauftragnehmern abonnieren und festlegen, wer sie liest, Fassungen und Einstellungen einmal im Jahr und nach jedem Tarifwechsel nachprüfen. KI-Funktionen, die in einer anderen Software stecken, laufen über deren Anbieter; der KI-Anbieter dahinter steht dann in dessen Unterauftragnehmer-Liste.

Wo der AVV aufhört#

Ein AVV macht keine Verarbeitung rechtmäßig, die es ohne ihn nicht wäre. Er regelt dein Verhältnis zum Dienstleister, nicht die Rechtsgrundlage nach Art. 6 (und bei besonderen Kategorien nach Art. 9), die du für jeden Verarbeitungsschritt unabhängig brauchst. Bewerbungsunterlagen durch einen Chatbot laufen zu lassen, wird durch einen AVV nicht zulässig, nur sauber dokumentiert unzulässig. Er ersetzt weder Folgenabschätzung noch Informationspflichten, und der Drittlandtransfer ist eine zweite Prüfung. Rückwirkend heilt er nichts. Wie sich das in die übrigen Pflichten einfügt, steht in KI DSGVO-konform einsetzen: Der Vertrag mit dem Anbieter ist dort ein Baustein von sieben, und nicht der erste.

Stand 03.10.2026. Anbieterangaben zuletzt am 11.09.2026 ausgelesen, Quellen-Links am 03.10.2026 geprüft.

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