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Illustration: Vier Chatblasen, jede mit einer Leitung zu einem Server auf einer Weltkarte; drei Server stehen nah beieinander, der vierte weit entfernt.
KI

Gemini, Perplexity, Mistral, DeepSeek: Datenschutz im Vergleich

Von · · 7 Min. Lesezeit

Gemini, Perplexity, Mistral und DeepSeek verwenden Eingaben aus privaten Konten standardmäßig zum Training ihrer Modelle. Bei allen vier gibt es einen Schalter dagegen. Was sie danach noch speichern, wer mitliest und in welchem Land die Daten liegen, unterscheidet sich stark, und bei einem der vier ist die Antwort für einen Betrieb schon beim Speicherort erledigt.

Das ist der zweite Teil. Wie ChatGPT, Claude und Copilot dieselben Fragen beantworten, steht in ChatGPT, Claude, Copilot: Datenschutz im Vergleich. Der Beitrag ist Orientierung, keine Rechtsberatung.

Ausgeschaltetes Training heißt bei Gemini nicht, dass niemand mitliest. Google lässt Gespräche zur Verbesserung von Menschen prüfen. Die geprüften Chats werden vorher vom Konto getrennt, aber „retained for up to three years“. Google schreibt selbst: „Please don't enter confidential information that you wouldn't want a reviewer to see“ (Google, Gemini Apps Privacy Hub). Was einmal in die Prüfung gegangen ist, holt das spätere Abschalten nicht zurück.

Die vier Dienste je Tarif#

Dienst und KontoTraining (Standard)AufbewahrungSpeicherort
Gemini, privates Google-KontoJa, mit „Keep Activity“Aktivität 18 Monate, wählbar 3 oder 36 oder unbegrenzt; abgeschaltet trotzdem bis 72 Stunden; geprüfte Chats bis 3 JahreUSA und weltweit, Google im EU-US Data Privacy Framework
Gemini in Google WorkspaceNein, nicht ohne Erlaubnisvom Admin festgelegt, bis 36 MonateEU-Datenregion je nach Workspace-Tarif
Perplexity Free, Pro, MaxJa, Schalter „AI data retention“solange das Konto besteht, nach Löschantrag 30 TageUSA, laut Perplexity im Data Privacy Framework
Perplexity EnterpriseNeinDateien nach 7 Tagen gelöscht, eigene Fristen in großen TarifenUSA
Mistral Vibe Free, Pro, StudentJa, abschaltbarbis du den Chat oder das Konto löschstEU
Mistral Vibe TeamJa, Admin kann es für alle abschaltenwie obenEU
Mistral Vibe EnterpriseNeinnach VertragEU oder eigene Infrastruktur
DeepSeek App und WebJa, abschaltbar„as long as necessary“, keine Frist genanntVolksrepublik China

Für alle vier gilt dieselbe Ausnahme wie bei ChatGPT und Claude: Wer eine Antwort mit Daumen hoch oder runter bewertet, gibt das Gespräch meist frei. Mistral schreibt das in die Bedingungen ausdrücklich, auch für Konten mit abgeschaltetem Training.

Was hinter den Zeilen steht#

Gemini. Der Schalter heißt inzwischen „Keep Activity“, die Seite dazu weiter „Gemini Apps Activity“. Ist er an, nutzt Google Chats, hochgeladene Dateien und geteilte Bildschirme, um seine Dienste zu verbessern, ausdrücklich auch, um generative Modelle zu trainieren. Ist er aus, bleiben die Gespräche trotzdem bis zu 72 Stunden im Konto. Ein temporärer Chat bleibt ebenfalls 72 Stunden und geht nicht ins Training. Mit Workspace-Konto des Betriebs ist die Lage eine andere: Inhalte werden „not human reviewed or otherwise used for Generative AI model training outside your domain without permission“, und die Daten fallen unter das Cloud Data Processing Addendum, Google ist dort Auftragsverarbeiter (Google, Workspace Privacy Hub, Cloud DPA). „Gemini in Chrome“ liest Inhalt und Adresse des aktuellen Tabs, auf Wunsch von bis zu zehn offenen Tabs. Wer im Browser mit Kundenportal und Webmail arbeitet, schickt das mit.

Perplexity. Für Free, Pro und Max ist „AI data retention“ standardmäßig an. Das Abschalten wirkt laut Hilfe nur auf Daten ab diesem Tag; was schon in Trainingsdaten gelandet ist, lässt sich nicht entfernen (Perplexity, Data Collection). Enterprise-Daten werden laut Trust Center nie zum Training verwendet, und mit den Modellanbietern dahinter, etwa OpenAI und Anthropic, hat Perplexity Verträge ohne Aufbewahrung und ohne Training. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt es für Enterprise, mit Standardvertragsklauseln (Perplexity, DPA). Der Browser Comet überträgt Seiteninhalt und offene Tabs, wenn eine Anfrage sie braucht, und hält den Kontext bis zu 30 Tage.

Mistral. Le Chat heißt seit 12.08.2026 „Vibe“, die Adresse chat.mistral.ai blieb (Mistral, Le Chat is now Vibe). Mistral sitzt in Paris und speichert standardmäßig in der EU. Die Datenschutzerklärung schränkt ein, dass „in exceptional cases“ auch Anbieter außerhalb der EU eingesetzt werden können, dann mit Standardvertragsklauseln (Mistral, Privacy Policy). Eingaben und Antworten bleiben, bis du den Chat oder das Konto löschst; Kontodaten danach noch ein Jahr. Im Team-Tarif ist das Training nicht von selbst aus, der Admin muss es abschalten. Erst Enterprise ist standardmäßig ausgenommen. Die Funktion „Memories“ wird gerade zur „Knowledge Base“, bestehende Erinnerungen wandern mit.

DeepSeek. Die Datenschutzerklärung vom 10.02.2026 sagt es ohne Umweg: „we directly collect, process and store your Personal Data in People's Republic of China.“ Verantwortlich ist die Hangzhou DeepSeek Artificial Intelligence Co., Ltd., die Daten verarbeiten auch Firmen ihrer Gruppe, unter anderem für „foundation model training“ (DeepSeek, Privacy Policy). Es gilt chinesisches Recht mit Gerichtsstand Hangzhou. Einen Schalter gegen Training gibt es: „Improve the model for everyone“ (DeepSeek, Terms of Use). Einen Geschäftstarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag habe ich nicht gefunden.

Illustration: Ein großer Schalthebel auf einem Sockel neben einer Tafel mit Chatblasen, am Fuß des Sockels ein Schloss.

DeepSeek und die Aufsichtsbehörden#

Für China hat die EU keinen Angemessenheitsbeschluss erlassen (EU-Kommission, Angemessenheitsbeschlüsse). Eine Übermittlung braucht deshalb Garantien nach Art. 46 DSGVO, und genau daran haben sich drei Behörden gestoßen:

  • Italien hat DeepSeek am 30.01.2025 die Verarbeitung von Daten italienischer Nutzer untersagt. Die Unternehmen hatten erklärt, in Italien nicht tätig zu sein und nicht unter europäisches Recht zu fallen (Garante, Provvedimento n. 33).
  • Berlin hat die App am 27.06.2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt nach dem Digital Services Act gemeldet. Die Beauftragte Meike Kamp: „The transfer of user data by DeepSeek to China is unlawful.“ Beide Konzerne lehnten die Sperre in ihren App-Stores ab, die Behörde kündigte im Jahresbericht 2025 eine Beschwerde dagegen an (BlnBDI, Pressemitteilung, Jahresbericht 2025).
  • Österreich: Die Datenschutzbehörde hat bestätigt, dass vermehrt Anfragen zu DeepSeek eingehen, und beobachtet die Entwicklung gemeinsam mit den anderen Behörden im EWR (DSB, Information zu DeepSeek). Ein eigenes Verfahren ist nicht bekannt.

Für einen Betrieb ist die DeepSeek-App damit kein Werkzeug für Kunden- oder Mitarbeiterdaten, unabhängig davon, wie der Trainingsschalter steht. Das Modell selbst ist etwas anderes: Die Gewichte von DeepSeek-R1 stehen unter MIT-Lizenz und laufen bei EU-Anbietern oder auf eigener Hardware, ohne dass ein Byte nach Hangzhou geht (Hugging Face, DeepSeek-R1). Was dafür an Hardware nötig ist, steht in Lokale KI mit Ollama.

Training abschalten, je Dienst#

Der Weg dauert pro Dienst eine Minute.

Gemini: myactivity.google.com/product/gemini öffnen, oben auf „On“ und „Turn off“ oder „Turn off and delete activity“ (Google, Aktivität verwalten). Wer den Verlauf behalten will, stellt dort mindestens die automatische Löschung auf drei Monate. Die Prüfung durch Menschen lässt sich nur zusammen mit dem Verlauf abschalten.

Perplexity: Settings → Preferences → „AI data retention“ ausschalten (Perplexity, Account settings). Die Einstellung gilt je Nutzer, nicht je Gerät.

Mistral Vibe: im Web unter Manage → Vibe → Privacy den Schalter „Allow your interactions to be used to train our models“ aus, in der App unter Settings → „Data & Account Controls“ den Haken bei „Enable data sharing“ entfernen. Für die API gibt es einen eigenen Schalter, der davon unabhängig ist (Mistral, Training opt-out).

DeepSeek: „Improve the model for everyone“ ausschalten. Wo der Schalter in der App genau sitzt, nennen die Bedingungen nicht; in der Fassung vom 27.03.2026 steht nur der Name.

Danach überall: alte Chats mit sensiblen Inhalten löschen. Der Schalter wirkt nach vorn, bei Perplexity sagt die Hilfe das ausdrücklich.

Was nicht hilft#

Ein privates Konto mit abgeschaltetem Training für Kundendaten. Ohne Geschäftstarif gibt es keinen Auftragsverarbeitungsvertrag, und der Anbieter bleibt eigener Verantwortlicher. Das gilt für Gemini genauso wie für ChatGPT.

„Mistral ist europäisch, also passt es.“ Der Speicherort ist ein Punkt von mehreren. Im Gratis- und im Team-Tarif trainiert Mistral standardmäßig mit, bis jemand den Schalter umlegt. Und der Auftragsverarbeitungsvertrag von Mistral ist für Geschäftskunden gedacht, nicht für ein privates Konto, das zufällig beruflich genutzt wird.

DeepSeek über einen Umweg nutzen und den Umweg nicht prüfen. Wer das Modell bei einem Hoster nutzt, braucht dessen Bedingungen: Speicherort, Aufbewahrung, Vertrag. Ob die Gewichte aus China kommen, ist dann zweitrangig, wohin die Eingaben gehen nicht.

Der temporäre Chat bei Gemini als Löschung. Er hält den Chat aus dem Training, nicht sofort aus dem Speicher: 72 Stunden bleibt er im Konto.

Wann du es prüfen solltest#

Die Regeln ändern sich schneller als Verträge: Mistral hat im August 2026 Le Chat umbenannt und baut die Erinnerungsfunktion um, DeepSeek hat seine Datenschutzerklärung 2026 neu gefasst, Google hat den Schalter für den Verlauf umbenannt. Einmal im Quartal und vor jeder neuen Freigabe im Betrieb lohnt ein Blick auf die verlinkten Seiten. Welche Dienste im Betrieb überhaupt erlaubt sind, gehört in eine Werkzeugliste, wie sie die Vorlage für eine KI-Richtlinie vorsieht.

Stand 17.10.2026. Anbieterangaben am 05.10.2026 an den verlinkten Seiten ausgelesen; Perplexity und Teile der Google-Hilfe beantworten automatisierte Abrufe nicht vollständig und wurden über einen Lesedienst gelesen. Vor einer Entscheidung im Original nachprüfen, beim Data Privacy Framework in der Liste unter dataprivacyframework.gov.

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