Zum Inhalt springen
Illustration: Eine kleine Textdatei auf einem Sockel neben einem großen Stapel Seitenkacheln; der Lese-Roboter wendet sich dem Stapel zu, nicht der Datei.
KI

llms.txt: Was der Vorschlag bringt und wem nicht

Von · · 4 Min. Lesezeit Zuletzt aktualisiert am

curl -s https://www.cyberscale.io/llms.txt | head -3
# cyberscale

> cyberscale (www.cyberscale.io) prüft und härtet Websites kleiner Betriebe: …

In eigener Sache: Diese Seite hat seit dem 01.10.2026 eine llms.txt, 7,5 KB, 34 Einträge in sechs Abschnitten. Der Bau erzeugt sie: Leistungen und Werkzeuge aus einer Liste im Bau-Skript, die Beiträge aus derselben Liste wie die Sitemap; eine Datei von Hand gibt es nicht. Und im Quelltext des Baus steht die Begründung, die auch dieser Beitrag liefert: Google liest sie nicht, aber eine Seite, die über die Datei schreibt und GEO-Checks anbietet, sollte unter dieser Adresse nicht mit 404 antworten. Ob sie je abgerufen wird, weiß ich nicht; der Hoster liefert keine Zugriffsprotokolle. Das ist der Zustand, in dem die meisten Betreiber dieser Datei sind.

Was der Vorschlag ist#

Jeremy Howard hat llms.txt am 3. September 2024 veröffentlicht; die Spezifikation liegt in Fassung v2 vor. Der Gedanke: Ein Sprachmodell hat ein begrenztes Kontextfenster, und eine HTML-Seite besteht zu großen Teilen aus Navigation, Skripten und Layout. Die Datei legt dem Modell eine aufgeräumte Landkarte in Markdown hin. Sie ist damit keine Anweisung an einen Crawler, sondern ein Angebot an ein Programm, das ohnehin schon auf deiner Domain ist.

Pflicht ist ein Element, die H1. Danach folgen eine Blockquote mit einem Satz, optionaler Fließtext ohne Überschriften und H2-Abschnitte mit Linklisten; jeder Eintrag ist ein Markdown-Link, optional mit Doppelpunkt und Beschreibung. Der Abschnitt ## Optional hat eine feste Bedeutung: Was dort steht, darf ein Programm weglassen, wenn der Platz knapp wird. llms-full.txt, der gesamte Inhalt in einer Datei, ist eine verbreitete Konvention und steht nicht in der Spezifikation.

Wer sie auswertet, und wer ausdrücklich nicht#

Google ist der einzige Anbieter mit einer klaren schriftlichen Aussage. Im Leitfaden Optimizing for generative AI search steht unter „Mythbusting“: „You don't need to create new machine readable files, AI text files, markup, or Markdown to appear in Google Search (including its generative AI capabilities), as Google Search itself doesn't use them.“ Und: „Doing so will neither harm nor help your site's visibility or rankings in Google Search, as Google Search ignores them.“

OpenAI und Perplexity nennen Seitenbetreibern in ihrer Crawler-Dokumentation ausschließlich die robots.txt und Nutzeragenten wie OAI-SearchBot und PerplexityBot (OpenAI, Perplexity). Gelesen wird die Datei dort, wo ein Mensch sie einem Entwicklerwerkzeug ausdrücklich übergibt, etwa einer Dokumentation beim Programmieren. Dass viele Entwicklerdokumentationen eine haben, ist oft keine Entscheidung: Doku-Plattformen erzeugen sie automatisch.

Wer sie hat: 140 Tiroler Domains#

Dieselbe Abfrage, mit der oben die eigene Datei geprüft wurde, am 03.10.2026 für 140 Tiroler Domains aus meiner Akquise-Liste (115 Betriebe, 25 Tourismusverbände), passiv und nur diese eine Adresse. Nur Summen.

Antwort auf /llms.txtDomains
200 und eine Textdatei, die mit einer Markdown-Überschrift beginnt19
200, aber eine HTML-Seite (die Startseite oder eine Fehlerseite ohne 404)20
40489
Weiterleitung oder nicht erreichbar12

Die 19 Dateien sind zwischen 0,9 und 10,5 KB groß. Die 20 Soft-404 sind der eigentliche Befund: Ein Server, der auf jede unbekannte Adresse mit 200 und der Startseite antwortet, hat ein Problem, das mit llms.txt nichts zu tun hat; wie Google damit umgeht, steht in Warum Google deine Seiten nicht indexiert.

Der Unterschied zur robots.txt#

Die robots.txt ist eine Erlaubnis oder ein Verbot; sie entscheidet, ob GPTBot deine Seiten abrufen darf, und die Wirkung steht im Server-Protokoll. llms.txt erlaubt nichts, verbietet nichts, sperrt niemanden aus. Wer deine Seite nicht crawlen darf, liest auch deine llms.txt nicht; wer sie crawlen darf, kommt auch ohne sie an die Inhalte. Welche Crawler es gibt und was eine Sperre kostet, steht in KI-Crawler blockieren.

Wenn du sie anlegst#

Eine Datei anzulegen dauert eine Stunde; sie aktuell zu halten dauert dauerhaft. Eine llms.txt, die nach drei Monaten nicht mehr zum Seiteninhalt passt, verkauft einem Programm, das ihr glaubt, falsche Beschreibungen und tote Links als verlässliche Auskunft. Deshalb die eine Bedingung: Sie wird beim Bau erzeugt, aus derselben Quelle wie Navigation oder Sitemap. So ist es hier gelöst, und so ist es die einzige Form, in der die Datei nicht veraltet.

Sie verschafft keine Sichtbarkeit; sie beschreibt Inhalte, die ein Modell ohnehin gefunden hat oder gar nicht findet. Sie ersetzt kein sauberes HTML: Ein noindex, ein falsches Canonical oder eine Seite, die ohne JavaScript leer ist, wirken weiter. Und sie ist nicht überprüfbar: kein Bericht in der Search Console, keine Kennzahl, nur die Abrufe in deinen Server-Logs. Woran Sichtbarkeit in KI-Antworten tatsächlich hängt, steht in In ChatGPT gefunden werden.

Für eine technische Dokumentation, deren Leser mit Cursor, Claude Code oder ähnlichen Werkzeugen arbeiten, lohnt die Datei, wenn der Build sie erzeugen kann. Für eine Unternehmens-Website, einen Shop oder eine Kanzlei ist sie ein Artefakt ohne messbaren Nutzen; sie schadet nicht, und die Stunde ist im Inhalt besser angelegt.

Stand 03.10.2026. Eigene llms.txt und 140 Tiroler Domains am selben Tag per curl geprüft (Rohdaten: llms-140-2026-10-03.tsv); Google- und Anbieterdokumentation am selben Tag abgerufen.

Weiterlesen